IQNA: Der Leiter des Zentrums für interreligiösen Dialog, Mitglied der Marianischen Akademie im Vatikan und Vertreter des Hohen Rates der Schiiten im Libanon Allamah Sayyid Ali al-Sayyid Qasim erklärte im Interview mit dem Press-TV-Netzwerk über die Gedanken des Märtyreroberhaupts der Revolution: Ich denke, dass die Bewertung jeder historischen Persönlichkeit auf ihrem Einfluss auf Formung des Bewusstseins beruhen muss, nicht auf Ausmaß der Macht die sie in Händen hielt. Unter diesem Blickwinkel hinterließ der Märtyrer-Imam Sayyid Ali Khamenei ein intellektuelles und geistiges Erbe das die nationalen Grenzen überschreitet und den Bereich der Nation und Menschheit erreicht. Er handelte auf Grundlage einer Sichtweise die die Religion nicht nur als System von Riten betrachtet, sondern als Projekt zur Errichtung der Menschheit, Bewahrung ihrer Würde, Herstellung von Gerechtigkeit und Widerstand gegen Unterdrückung inspiriert von diesem Wort des Allmächtigen Gottes:
«لَقَدْ أَرْسَلْنَا رُسُلَنَا بِالْبَيِّنَاتِ وَأَنْزَلْنَا مَعَهُمُ الْكِتَابَ وَالْمِيزَانَ لِيَقُومَ النَّاسُ بِالْقِسْطِ..»
„Wahrlich! Wir sendeten unsere Gesandten mit klaren Beweisen und offenbarten mit ihnen das Buch und sendeten die Waage herab, damit die Menschen in Gerechtigkeit handeln.“ (25/ Hadid)

Sayyid Ali al-Sayyid Qasim erklärte weiter: Das Märtyreroberhaupt Irans war der Ansicht, dass Unabhängigkeit kein politischer Slogan ist, sondern Voraussetzung für Erhalt der Identität von Völkern und dass wahre Macht mit Aufbau eines Menschen beginnt der wissenschaftlich, moralisch und geistig bewusst ist. Er strebte auch danach ein Gleichgewicht zwischen Authentizität und Offenheit, zwischen Festhalten an Prinzipien und aktiver Präsenz in der Welt zu schaffen und billigte nicht die Reduzierung der Beziehungen zu anderen auf die Logik eines dauerhaften Konflikts oder Unterwerfung.
In einem anderen Teil seiner Ausführungen sagte er: Das wirkliche Vermächtnis des Märtyreroberhaupts liegt nicht in seinen augenblicklichen Positionen, sondern in der geistigen Schule die dazu aufruft den Glauben in ein zivilisatorisches Projekt zu verwandeln und Generationen mit Wissen, Bewusstsein und Fähigkeit aufzubauen historische Verantwortung zu tragen. Ich glaube, dass die bleibende Natur dieses Vermächtnisses an seiner Fähigkeit gemessen wird die Menschheit zu mehr Gerechtigkeit, Mitgefühl und Standhaftigkeit zu inspirieren, nicht an der Anzahl der Bücher die über ihn geschrieben wurden oder Reden die zu seinem Lob gehalten wurden.
Der Leiter des Zentrums für interreligiösen Dialog im Libanon sagte bei der Bewertung der Teilnahme von Delegationen aus mehreren Ländern an den Trauer- und Abschiedszeremonien für das Märtyreroberhaupt in Teheran: Die breite Teilnahme offizieller, volksnaher und religiöser Delegationen aus verschiedenen Kulturen und Strömungen aus nahezu hundert Länder hat eine Bedeutung die über reine Protokollfragen hinausgeht. Dies zeigt die Erkenntnis, dass Gestalten die einen tiefen Einfluss auf die Geschichte ausüben nicht auf ihren nationalen Rahmen beschränkt bleiben, sondern zu einem Gegenstand globaler Aufmerksamkeit werden, sei es von ihren Unterstützern oder von ihren Gegnern.
Er fügte hinzu: Aus meiner Sicht liegt der wichtigste Wert dieser Teilnahme in der Bestätigung, dass Dialog und gegenseitiger Respekt selbst inmitten politischer und intellektueller Differenzen weiterhin möglich sind. Wir müssen solche Anlässe als Gelegenheiten sehen Brücken zwischen den Menschen neu zu bauen, nicht um Unterschiede zu vergrößern. Der Heilige Koran legte in diesem Vers die Grundlage des gegenseitigen Verstehens:
«يَا أَيُّهَا النَّاسُ إِنَّا خَلَقْنَاكُمْ مِنْ ذَكَرٍ وَأُنْثَى وَجَعَلْنَاكُمْ شُعُوبًا وَقَبَائِلَ لِتَعَارَفُوا إِنَّ أَكْرَمَكُمْ عِنْدَ اللَّهِ أَتْقَاكُمْ إِنَّ اللَّهَ عَلِيمٌ خَبِيرٌ»
„Ihr Menschen! Wir erschufen euch aus einem Mann und einer Frau und machten euch zu Völkern und Stämmen damit ihr einander kennenlernt. Wahrlich! Der Geehrteste von euch bei Gott ist der Gottesfürchtigste! Gewiss! Gott ist wissend und kundig!“ (13 / Hujurat)
Dieser Vers verkörpert ein zivilisatorisches Prinzip das die Grenzen von Religion und Geographie überschreitet.
Sayyid Ali al-Sayyid Qasim fuhr fort: Wenn ein Ereignis dieser Größe Vertreter verschiedener Nationen und Kulturen um Werte des Respekts und Treue versammeln kann, dann vermittelt es die Botschaft, dass die Menschheit trotz Intensität der Konflikte noch in der Lage ist gemeinsame Grundlagen zu finden. Die Verantwortung von heute besteht darin diese Szene in eine nachhaltige humanitäre Diplomatie zu verwandeln die die Kultur des Dialogs fördert, Besonderheiten der Menschen respektiert und Gerechtigkeit als Grundlage echten Friedens verteidigt.
Er verwies auf die Rolle des Märtyreroberhaupts bei Förderung des interreligiösen Dialogs und Annäherung zwischen den islamischen Konfessionen und sagte: Ich glaube, dass dieser Teil der Persönlichkeit des Märtyrer-Imams mehr Beachtung verdient, weil er die zivilisatorische Dimension seines Projekts offenbart. Er ging von der Annahme aus, dass Verschiedenheit ein universelles Gesetz ist, aber nicht zu einer Rechtfertigung für Feindseligkeit oder Ausgrenzung werden darf. Daher forderte er fortwährend den Umgang mit Vielfalt im Geist der Verantwortung und Priorisierung der gemeinsamen islamischen und menschlichen Werte gegenüber den trennenden Faktoren. Dies spiegelt sich in seiner unermüdlichen Unterstützung für Projekte wider die darauf abzielen die Annäherung zwischen den islamischen Konfessionen zu stärken und Dialog mit Anhängern anderer Religionen auf Grundlage gegenseitigen Respekts und Bewahrung der menschlichen Würde zu fördern. Dies steht auch im Einklang mit dem Ansatz des Korans:
«وَاعْتَصِمُوا بِحَبْلِ اللَّهِ جَمِيعًا وَلَا تَفَرَّقُوا»
„Und haltet alle zusammen am Seil Gottes fest und spaltet euch nicht.“ (13 / Hujurat)
und
«وَلَا تُجَادِلُوا أَهْلَ الْكِتَابِ إِلَّا بِالَّتِي هِيَ أَحْسَنُ»
„Und streitet mit den Leuten der Schrift nur auf beste Weise.“ (46 / Ankabut)
Sayyid Ali al-Sayyid Qasim sagte abschließend: Angesichts meiner Erfahrung als Vorsitzender der Gesellschaft für interreligiösen Dialog und meiner Mitgliedschaft in der Marianischen Akademie im Vatikan bin ich der Ansicht, dass die Welt nicht länger noch mehr Hasspropaganda ertragen kann. Vielmehr braucht sie Führungspersönlichkeiten, die Standhaftigkeit in der Identität mit einer offenen Sicht auf die Menschheit verbinden. Echter Dialog bedeutet nicht den Glauben zu kompromittieren, sondern Ethik anzubieten und sie in eine Quelle von Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und Zusammenarbeit zu verwandeln. Ich denke, dass dies eines der wichtigsten Merkmale des Vermächtnisses ist das der Märtyrer-Imam hinterließ: ein Vermächtnis das den Glauben dazu auffordert eine Kraft zum Aufbau der Zivilisation und zum Dienst an der Menschheit zu sein, nicht Mittel zur Schaffung von Spaltung und das die Botschaften Gottes als Brücke für gegenseitiges Verstehen und Herstellung von Wahrheit vermittelt, gemäß dem Wort des Allmächtigen Gottes, der sagt:
«وَتَعَاوَنُوا عَلَى الْبِرِّ وَالتَّقْوَى..»
„Und helft einander in Güte und Gottesfurcht.“ (2 / Mâ'ida)
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